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Geizkragen oder Umweltsau?

Die Dinge, die ich an meinem Göttergatten ganz besonders liebe, sind auch die Dinge, die mich am meisten in den Wahnsinn treiben.

Seine Sparsamkeit zum Beispiel. In unserem Kühlschrank stapeln sich mehrere Packungen Tomaten. Vier für 2 Euro – was für ein Angebot! Da frohlockt das schwäbische Herz meines Liebsten, daran kann er unmöglich vorbeigehen. Nach einer Woche Tomatensuppe, Tomatensalat und Tomate-Mozzarella steht er stolz mit weiteren 4 Packungen in der Tür – und ich kurz vor dem Tomatenkoller. Nachts träume ich prompt vom Ikea Bällebad, aber statt Bällen sind überall nur Tomaten und ich mittendrin.

Auf diesem irischen Glückklee könnte bald ein Atomkraftwerk stehen - und ich bin Schuld.

Und dann ist da noch die Sache mit den Steckdosen, die man hier in Irland bequem mit einem Kippschalter ausschalten kann. Welch’ Glücksfall für einen Sparfuchs wie meinen Göttergatten! Alle Steckdosen im Hause auszumachen, ist seine Mission, sein oberstes Ziel. Überall und zu jeder Zeit liegt er auf der Lauer. Keine Steckdose ist vor ihm sicher. Ich schwöre, er kann es riechen, wenn irgendwo im Hause unnützer Strom fliesst.

Neulich kommt es deswegen im heimatlichen Schlafzimmer zu einem unglücklichen Zwischenfall. Es ist 6 Uhr morgens, mein Wecker klingelt. Ich suche im Dunkeln nach dem Schalter der Nachttischleuchte… klick, klack – Licht geht nicht, Steckdose aus. Ich rolle mich zum Fußdes Bettes und suche nach dem Lichtschalter der Stehleuchte… klick, klack – Licht geht auch nicht, Steckdose ebenfalls aus. Im Dunkeln mache ich mich auf die Suche nach dem nächstgelegenen Lichtschalter, verhederre mich in die Kabel der Stehleuchte,  stolpere, verliere das Gleichgewicht und  lande geräuschvoll auf dem Allerwertesten.

 ”Mach doch nicht so einen Lärm” grunzt mein Göttergatte im Halbschlaf.

Was für eine Frechheit! “Wir müssen uns heute Abend dringend unterhalten” schnauze ich zurück und verziehe mich schmollend ins Badezimmer. Später, vor dem Schlafengehen, halte ich meinem Liebsten einen Vortrag über Sparsamkeit und Geiz.

“Willst du, dass noch mehr Atomkraftwerke gebaut werden” antwortet er ruhig und nimmt mir damit allen Wind aus den Segeln. Wie ein Blitz trifft mich die Erkenntnis: Ich bin eine Umweltsau. Oh, wie ich mich plötzlich schäme.

 ”Neeeein, natürlich nicht” winsele ich kleinlaut und ziehe die Bettdecke über den Kopf.

Wir einigen uns gütlich – die Steckdose der Nachttischlampe bleibt an, dafür helfe ich beim Steckdosen-Ausmachen in allen anderen Fällen.

 Und erst viel später fällt mir ein: in Irland gibt es gar keine Atomkraftwerke.

Discussion

3 Responses to “Geizkragen oder Umweltsau?”

  1. Hallo,

    musste echt ein bisschen lachen als ich das hier gelesen habe. Ich muss gestehen, dass ich so ein kleiner Steckerrauszieher bin und alles immer ganz ausmachen muss. Was ja gar nicht so verkehrt ist!;-) Aber dich im Dunkeln durchs Zimmer streifen zu lassen, ist dann ein bisschen hart. Warum gibt es diese Steckdosen nicht überall auf der Welt? Das wäre doch schon ein echt vernünftiger Ansatz, um Strom zu sparen… Denke, dass viele Leute einfach zu faul sind, den Stecker aus der Dose zu ziehen. Da ist es doch einfacher den Kippschalter zu betätigen. Naja, wenigsten habt Ihr eine Lösung finden können. Liebe Grüß nach Irland

    Posted by Krümmel | 15. Dez, 2010, 10:38
    • Hallo Krümmel, ja da gebe ich dir recht. Mein Göttergatte neigt jedoch zuweilen zur Übertreibung. Gestern hat er tatsächlich die Steckdose meiner ladenden Elektrozahnbürste ausgeschaltet. Morgens wollte ich mir die Zähne putzen, und? Kein Strom fürs Gebiss!

      Posted by littlewhitepony | 15. Dez, 2010, 22:24
  2. Wow, das ist ja echt der Hammer… Das grenzt ja schon an Zwangserscheinungen! Naja, schlaue Frau von heute, hat noch eine Ersatzzahnbürste im Schränkchen!;-)

    Posted by Krümmel | 20. Dez, 2010, 16:27

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