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Was nicht passt, wird passend gemacht

...besonders im hautengen Glitzerkleid

Es ist Januar und eigentlich sollte er nun endgültig vorbei sein: der Weihnachtsstress. Leider nicht bei mir. Seit Tagen schlafe ich unruhig und träume, dass ich in meinem Snoopy Schlafanzug auf der Weihnachtsfeier meiner Firma auftauche. Die findet dieses mal im Januar statt, weil im Dezember das Schneetreiben die Festivitäten auf Eis legte. Wie jedes Jahr verzweifele ich an der Frage: was zum Teufel ziehe ich an?

Ist doch egal, werdet ihr sagen. Liebe deutsche Leser – nein, ist es nicht!

Die irische Frau stellt mit ihrer abendlichen Kleiderwahl alles in den Schatten, was mir in meinen 34 Jahren je untergekommen ist. Am Wochenende glitzern die engen Kleider in Dublins Straßen farbenfroh um die Wette. Dabei gilt: je tiefer der Ausschnitt, je kürzer der Rock und je höher die Absätze, desto besser. Ob Frau in das Kleid ihrer Wahl hineinpasst, ist dabei völlig zweitrangig – was nicht passt wird eben passend gemacht. Nach Sonnenuntergang verwandelt sich die Stadt in
ein Inferno freiliegender Busen und Bauchrollen auf 15 Zentimeter Stelzen.

Nie werde ich meiner schweizerischen Kollegin Julia vergessen, dass sie mich seinerzeit vor einem modischen Desaster bewahrt hat. Bei meiner ersten Weihnachtsfeier hatte ich die wahnsinnige Idee, Hosen zu tragen. Julia nahm mich zur Seite und flüsterte eindringlich: “Zieh auf jeden Fall ein Kleid an!”

Ein Kleid? Ich bin eine Hosenfrau. Wo soll ich denn jetzt noch ein Kleid herbekommen?
Irgendwo fand ich dann doch noch eines. Gott sei dank. In neutrales Schwarz gehüllt erschien ich auf meinem ersten offiziellen Firmenevent. Und staunte nicht schlecht – ich war immer noch “underdressed”. Kollegin Lena trug knallblau mit Riesenschleife und Puffärmeln, Anna erschien feurig funkelnd im Paillettenlook. Und Zoe? Die trug einen trägerlosen Traum in Rot. Den ganzen Abend fürchtete ich, dass er sich von ihrem zauberhaften Dekolleté in Richtung Erdboden verabschieden würde. Auf wundersame Weise blieb uns diese Peinlichkeit jedoch erspart erspart.

Und dieses Jahr? Es halten sich hartnäckig die Gerüchte, dass Hosen nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht seien. Ich traue dem Frieden keinen Meter über den Weg – und werde zur Sicherheit lieber das kleine Schwarze ausgraben. Ob es wohl noch sitzt? Schließlich hatte ich da neulich ein gewichtiges Problem mit meiner Laufhose

Aber egal – in Irland interessiert das sowieso keinen. Es lebe die Integration! Was nicht passt wird passend gemacht!

Discussion

3 Responses to “Was nicht passt, wird passend gemacht”

  1. Erstmal – liebes Pony, toller Blog!! Komme jetzt öfter vorbei.

    Kann deinen Bericht nur schmunzelnd bestätigen. Wir waren letztes Jahr im März (man erinnere sich – der lange Winter…) ein paar Tage in Dublin und kleideten uns der Temperatur angepasst. Die Dublinerinnen (und keineswegs nur die ganz Jungen) wähnten sich jedoch sicherlich in einer hochsommerlichen Freiluftdiscothek – anders war die Kleiderauswahl einfach nicht zu erklären, denn über die luftigen Glitzerkleidchen zogen sie nicht mal im schneidenden Wind einen Mantel. Da friert’s mich noch nachträglich beim Drandenken.

    Posted by Millie | 28. Jan, 2011, 10:13
    • Hallo Millie, das siehst du mal, wie ich leide. Frau muß sich ja schließlich integrieren… Aber irgendwann wächst Hornhaut auf den unbekleideten Körperstellen und es wird besser. (hoffe ich)

      Posted by littlewhitepony | 28. Jan, 2011, 19:12
  2. Kann dem nur zustimmen. Sehe seit November nichts anderes hier.

    Gruß aus Tralee, Co. Kerry
    Philipp

    Posted by Philipp | 21. Feb, 2011, 00:27

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