Am Samstag quälte mich ein Kater, der sich gewaschen hatte: der Magen meuterte, der Schädel brummte, der Kreislauf maulte. Das war früher doch anders? Da erwachte ich trotz nächtlicher Feucht-Fröhlichkeit am nächsten Morgen zu blühendem Leben. Heute blüht mir nur eines: stundenlanges Siechtum.
Getreu dem Motto ‘My body is a temple’ halte ich mich fern von allem, was Spaß macht. Statt Whiskey gibt es bei mir Wasser, statt Vollfett Vollkorn. Ich laufe lang, ich esse gesund, ich rauche nie und trinke kaum. Während meine irischen Mitbürger ihre Bestzeiten in Pints pro Stunde messen, hechele ich einsam in den Sonnenuntergang – in Minuten pro Kilometer natürlich.
Die Konsequenz: vier Gläschen Wein hauen mich um. Bis um 2 Uhr im Pub feiern? Für mich die absolute Rebellion.
„Ich bin ein Spießer, hol mich hier raus!“ jaule ich in die Sprechmuschel des Telefonhörers
„Wie bitte? Ich habe ein Einfamilien-Reihenendhaus mit eigenem Parkplatz und Rollrasen im Garten!“ antwortet Daliah.
„Du bist nicht spießig!“ protestiere ich.
„Du auch nicht!“ bellt sie zurück.
Wir schweigen. Dann trifft uns die Erkenntnis wie ein Blitz: spießig sind wir beide! Partyasket oder Rollrasenliebhaber – wo ist da der Unterschied?
„Ich mag meine Vollkornbagels. Ich liebe das Laufen. Ich gehe gerne früh ins Bett,“ bekenne ich.
„So ein eigener Parkplatz ist furchtbar praktisch und Rollrasen traumhaft grün,“ wirft Daliah ein.
So ändern sich eben die Zeiten. Spießigkeit kann unglaublich schön sein, wenn frau über 30 ist. Doch in einem Punkt sind wir uns einig: Falschparker aufschreiben bleibt tabu.
Zumindest für die nächsten 20 Jahre.
Pony Tipp
Auch der Spiegel philosophiert zuweilen über die Spießigkeit. Wer wissen will, was ein Neobünzli ist, der muss hier weiterlesen.



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