An einem regnerischen Freitag Morgen sitze ich am Schreibtisch und klopfe leere Worte in die Tastatur. Weiter östlich versinkt ein Land im Chaos. Ich schaue aus dem Fenster – dieselbe Sonne bricht durch meine Wolken und taucht mein Meer in friedliches Licht. Und plötzlich überfällt sie mich: die Dankbarkeit – dafür, dass der Regen meine größte Sorge ist.
Natürlich ist es jeden Tag das gleiche: für irgendwen bricht immer irgendwo die Welt zusammen. Ich hänge derweil meine Wäsche auf. Laufe durch die Straßen Dublins. Und klopfe leere Worte in die Tastatur. So ist das Leben, so ist die Menschheit. Gerechtigkeit sieht anders aus. Und wer bei jedem Atemzug die Last des Leides dieser Welt auf seinen Schultern spürt, der macht auf Dauer sich selbst kaputt.
Manchmal aber ist es wichtig, anzuhalten. Das eigene Dasein durch die Augen derer zu betrachten, die auf der Schattenseite des Lebens stehen. Dann wird alles relativ – das persönliche Glück gefühlt noch größer. Zumindest dankbar möchte ich sein. Das bin ich denen schuldig, die sich so sehnlich wünschen, was mir das Schicksal achtlos vor die Füße wirft.
Heute bin ich dankbar für die Liebe und die Freundschaft in meinem Leben. Für mein Haus, auch wenn ich darin meistens friere. Für meine strammen Waden, die mich sicher durch den Regen tragen. Für die irische Regierung, die fehlerhaft doch demokratisch ist. Für Wahlen ohne Aufstand. Für Stabilität und Sicherheit – und die Krokusse in meinem Garten. Für den Muffin und die Schokolade, die ich zu viel gefrühstückt habe. Und für euch, meine lieben Leser.
Ich wünschte, das Leben wäre fair. Die Welt gerecht. Die Menschheit gut. Und sollte mir eines Tages eine gute Fee drei Wünsche gewähren, werde ich um nichts anderes bitten. Bis dahin versuche ich, ein guter Mensch zu sein – denn meinen Kosmos kann ich selbst gestalten.
Ich wünsche mir, dass auch in eurer Welt, das Leben leicht und ohne Unglück ist. Und dass, an diesem kalten Frühlingsmorgen, der Regen eure größte Sorge ist.


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