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Mit dicker Hose läuft‘s sich schlecht

Littlewhitepony Leserin Anna will den Luschen in der Nachbarschaft endlich zeigen, wo der Hammer hängt und beim Hannover Halbmarathon lockeren Schrittes die Elite abhängen. Leider läuft es nicht ganz so wie geplant. Anna erkennt schmerzlich: Mit dicker Hose läuft’s sich schlecht. Aber lest selbst.

Mein fast erster Halbmarathon

Anna VOR dem Halmarathon.

Von Anna Stella Bonin
Nach dem Gänsebraten mit Kartoffelknödeln und einem kompakten Tiramisu zu Weihnachten ist es soweit. Ich habe wieder eine meiner berühmten bescheuerten Ideen: Ich fange mit dem Laufen an und werde mich für den Halbmarathon in Hannover im Mai anmelden. Und dann renne ich mit einem perfekten Körper in einem knappen Outfit wie ein junges Reh an meinen Nachbarn vorbei und lasse mich feiern. Beim anschließenden Grillen auf dem Hof verteile ich dann wertvolle Lauftipps an diejenigen, die sich wieder nur für den 10 km-Lauf angemeldet haben. Dafür stehe ich doch gar nicht erst auf!

Gesagt, getan. Bei minus 10 Grad bestelle ich mir für minus 250 Euro ein wintertaugliches Läuferoutfit vom Feinsten. Der iPod wird mit Iron Maiden gefüllt und der Kühlschrank mit Energydrinks. Es kann losgehen. Mit eiserner Disziplin kämpfe ich mich über vereiste Straßen und verschneite Wege. Meistens verlasse ich dabei das Haus publikumswirksam über den Hof und hoffe, dass möglichst viele Nachbarn zufällig gerade aus dem Fenster schauen. Daher setze ich meine dämliche Sturmhaube auch erst ein paar Häuserblocks weiter auf.

Mit der Zeit werde ich immer ausdauernder. Waren es erst nur 5 Kilometer, biege ich nun an der Schleuse rechts ab und nehme die große Schleife über Felder und Wiesen mit. Das dürften insgesamt 12 Kilometer sein, die ich mindestens zweimal in der Woche laufe.

Es wird Frühling, alles „läuft“ prima. Die Figur stimmt – auch dank unterstützendem Trainingsplan im Fitnessstudio und konsequenter Low-Carb-High-Protein-Ernährung. Das Outfit wird auf die wärmeren Temperaturen abgestimmt und ich verbreite mit dem mir ureigenen Größenwahn überall die Kunde, dass ich beim Halbmarathon mitlaufe. Und wer da noch so dabei sein oder zumindest mit mir trainieren wolle, könne sich ja so was von warm anziehen. Ich würde ihm dann den Pacemaker machen, damit er überhaupt vom Fleck komme und er solle sich gut merken, wie ich von hinten aussehe, denn das wäre das Einzige, was er von mir sehen würde. Außer einer riesigen Staubwolke natürlich. Eat my dust!

Beschwingt geht es jetzt dreimal in der Woche los zur großen Runde, und das hautenge Outfit für den Tag der Tage habe ich auch geordert. Nebenbei ziehe ich mir noch wertvolle Tipps von meinem marathonerfahrenen Nachbarn aus der Wohnung über mir: 2 Wochen lang die Laufsocken nicht waschen und einen Strohhalm für die Getränke mitnehmen, dann wird man nicht nass und die Kleidung scheuert nicht so sehr an den empfindlichen Körperpartien. Zum Schluss positioniere ich noch Freunde und Bekannte strategisch an verschiedenen Streckenabschnitten, damit sie mich mit Großplakaten, Anfeuerungsrufen und vielleicht der einen oder anderen kleinen Sambashow unterstützen.

6 Wochen vor dem großen Tag dann der Einbruch: Ich bekomme eine hartnäckige Bronchitis und Nasennebenhöhlenentzündung. Erst nach 3 Wochen und einer Ladung Antibiotika kann ich wieder trainieren. Und zwar genau 3 Tage, bevor ich wieder 2 Wochen aussetzen muss. Diesmal wegen eines brennenden Ausschlags im ganzen Gesicht. So kann ich weder vor die Tür noch ertrage ich es, zu schwitzen. Dann ist auch noch Ostern und es gibt dreimal täglich ein halbes Schwein auf Toast. Außerdem werde ich neuerdings jeden Abend von einem gutaussehenden Herren bekocht, dessen kratziger 3-Tage-Bart übrigens ursächlich an der Entstehung meines Ausschlags beteiligt war.

In der letzten Woche vor dem Startschuss schleppe ich mich ein erstes und letztes Mal wieder in die Gärten und laufe meine Runde. Mit gefühlten 10 Kilo Übergewicht, einem bellenden Hustenanfall alle 4 Kilometer und einer Haut wie ein Schlachtfeld.
Am Samstag vor dem Lauf mache ich zu Hause Großalarm. Ich muss kiloweise Nudeln essen und Bananen und natürlich Putenfleisch. Meinen neuen Freund schicke ich am späten Nachmittag nach Hause, weil ich schlafen muss und früh aufstehen und überhaupt den ganzen Sonntagmorgen mit Essen, Stretching und auf dem Klo verbringen werde. Weil ich ja beim Haaaaalbmarathon mitlaufe, falls es noch irgendjemand nicht mitbekommen haben sollte.

Anna, nicht so schnell! Das gibt sonst Punkte in Flensburg.

8. Mai, 11 Uhr. Der Startschuss fällt. Ich fühle mich schlau, denn ich habe mich weit vorne bei den guten Läufern eingereiht, damit ich nicht ständig irgendwelche Luschen, die ein Bein nachziehen, überholen oder im Slalom um Rollatoren herumlaufen muss. Das hält nur unnötig auf und versaut mir meine Zeit.

Es sind 25 Grad im Schatten. Leider gibt es auf der Laufstrecke keinen. Die Sonne brennt auf den Asphalt. Schon bei Kilometer 2 läuft mir der Schweiß literweise herunter, so dass ich auch keinen Strohhalm mehr brauche, um nicht nass zu werden. Das Tempo ist aber auch ganz schön ambitioniert hier vorne, und der bescheuerte Hüftgürtel mit Energieriegeln, Taschentüchern,  4-Personen-Zelt und Ersatz

reifen wippt rhythmisch hin und her und schlägt mir bei jedem Schritt in den Magen.

Nach 4 Kilometern gibt es endlich etwas zu trinken. Ich nehme mir einen Becher und verwechsel schlucken mit einatmen. Hustend und keuchend geht es weiter in Richtung Kilometer 6, wo mir die Schirmmütze vom Kopf weht und ich gegen den Strom zurücklaufen muss, um sie zwischen unzähligen Läuferbeinen von der Straße zu fischen.

Neben mir hält ständig höhnisch eine Stadtbahn an –  seit wann fahren die sonntags eigentlich so häufig? Bei Kilometer 10, den ich in einer viel zu schnellen Zeit von rund 45 Minuten erreiche, siegt mein innerer Schweinehund in enger Zusammenarbeit mit seiner Mutter, der unerträglichen Hitze. Ich biege links statt rechts ab, denn da steht mein Fahrrad.

Jetzt nur noch nach Hause und das möglichst unbemerkt. Weil die Marathonstrecke aber direkt vor meiner Haustür vorbeiläuft, muss ich zwangsläufig durch den Pulk meiner wartenden Nachbarn. Denen entgeht meine Ankunft natürlich nicht und sie rufen mir lautstark zu: „Na, Anna? Nicht geschafft? Ganz schön zugenommen! Und was hast du überhaupt im Gesicht?“

So habe ich mir meinen Zieleinlauf nicht vorgestellt.

Anna schreibt nicht nur zum Spaß. Hier geht’s zu ihrer Website.

Discussion

One Response to “Mit dicker Hose läuft‘s sich schlecht”

  1. Humor ist, wenn man trotzdem lacht.Ich habe laut losgelacht an vielen deiner gekonnten Formulierungen. Ja, das ist es, was du kannst: sprachliche Pointen setzen. Wunderbar!
    Wo warst du eigentlich zum Osteressen eingeladen? Schick mir mal die Adresse dieser Ignoranten!

    Dicken Kuss von deinem Knödel

    Posted by knödi | 17. Mai, 2011, 08:35

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