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Der Bund der Knöchelritter

Wo gehobelt wird fallen Späne und wo gehoppelt wird, fließt Schweiß. Leider! Denn wer nicht gerade die Heinzelmännchen im Keller hat, der hat auch nach dem Training keine Ruhe. Nein, der leidet weiter: und zwar vor der Waschmaschine, neben dem Trockner und am Bügelbrett.  Es ist zum Haare ausreißen. Dabei sind es nicht die Laufhosen oder Funktionsfaser-Shirts, die den Waschaufwand mal eben verdoppeln und mich in den Wahnsinn treiben. Es sind die kleinen Dinge. Nein meine Herren, ich spreche nicht vom hauchdünnen Ritzenflitzer mit Spitzenbesatz. Mir geht ein weitaus weniger erotisches Kleidungsstück tierisch auf den Zünder: die Socke, das Mistding.

Mit meinen Socken stehe ich auf Kriegsfuß. Ich stecke sie zu zweit in die Waschmaschine und es kommt nur eine wieder heraus. In meiner Wäschetrommel müssen sich dramatische Szenen abspielen. Vermutlich brechen meine Strümpfe einen Streit vom Zaun, sobald ich die Tür geschlossen und den Einschaltknopf betätigt habe – nach Untreue, Rosenkrieg und heftigem Durcheinander lassen sich mehrere Paare scheiden und einer der beiden macht sich durch die Hintertür von den Socken. Das Ergebnis: Ich stehe mal wieder einstrümpfig da.

Mein Göttergatte will mir die Schuld in die Schuhe schieben. „Es ist dein eigener Fehler. Du musst sie ordentlich sortieren, BEVOR du sie in die Waschmaschine steckst,“ belehrt er. Eine solch unverschämte Behauptung zieht mir förmlich die Schuhe aus: seine Exemplare haben Schlafsackgröße. Für sie gibt nur einen Weg nach draußen: den durch die Vordertüre.In meinem Schrank dagegen tummeln sich tonnenweise Singlestrümpfe, die verzweifelt nach einem neuen Partner suchen – und ihn zuweilen auch finden. Unglücklicherweise.

Wie diese Woche im Büro. Mein Kugelschreiber segelt zwischen Hemden, Krawatten und Bügelfalten zu Boden. Ich bücke mich, meine Hosenbeine rutschen hoch und was sehe ich da? Eine braun-blaue Strumpfkombination. Wie konnte das passieren? Zuhause im Dunkeln sahen beide doch völlig gleich aus. Spontan entfährt mir ein Schrei – fataler Anfängerfehler! Innerhalb Sekunden bin ich umringt von aufpolierten Lackschuhträgern, die mir amüsiert auf die Füße starren.

Während ich roten Kopfes meine Hosenbeine nach unten ziehe und ein entschuldigendes „Meine Waschtechnik steckt noch in den Kinderschuhen…“ murmele, bricht Kollege Tom das Schweigen.

„Ich bin mal mit zwei verschiedenen Turnschuhen aus dem Haus.“ beichtet er verlegen.

„Ist mir auch schon passiert, aber mit Lederschuhen. Bin damit ins Büro.“ erklärt Liam.

Und dann völlig unverhofft schießt Bügelfalten-Champion Paul den Vogel ab. Er hebt seine Hosenbeine und enthüllt: Rechts einen karierten Traum in Blau-Grün und Links ein gestreiftes Kunstwerk in Rot-Gelb. Modisch. Stylisch. Individuell.

Wir grinsen – wie ungeregelte Fußbekleidung doch verbinden kann. Es ist einfach wunderbar. Wir sind der Geheimbund der Knöchelritter: Auf ewig verschworen!

Und während ich den Rest des Tage mein blau-braunes Duo stillschweigend genieße, fällt mir unverhofft der Schlüssel zu Mona-Lisas geheimnisvollen Lächeln vor die Füße. Natürlich, es ist ganz offensichtlich: Sie war skandalös besockt! Warum sonst sollte sie sonst so verschmitzt von der Leinwand grinsen?

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2 Responses to “Der Bund der Knöchelritter”

  1. Das ist mir jahrelang auch so gegangen. Dann hatte ich die Lösung….neben meiner Waschmaschine steht ein Pappkarton mit der Aufschrift “Partnervermittlung”. Dorthin kommen alle gewaschenen, trockenen Single-Socken. Alle 4 -6 Wochen schaue ich die Kiste durch und siehe da…die meisten Sockenpaare haben wieder zueinander gefunden. Es gibt aber auch Einzelschicksale, die Jahre dort zubringen. Kürzlich konnte ich ein Sockenpaar in Größe 26 wieder vereinen. Diese rosa Babysocken mit dem hübschen Schmetterlingsmotiv wollte allerdings niemand mehr haben, den die einstige Besitzerin macht zur Zeit den Führerschein :)

    Posted by Rheumaschnecke | 19. Jun, 2011, 08:25

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