Nach der Arbeit sollst du ruhn’ oder tausend Schritte tun. Ich will eigentlich lieber ruhen. Nur mit letzter Kraft ziehe ich meinen erschöpften Körper über die heimatliche Türschwelle und bleibe ermattet auf dem Sch(l)afvorleger liegen. Nichts geht mehr. Den ganzen Tag wie ein Zombie auf den Bildschirm zu starren, kann aber auch dermaßen auslaugen – man glaubt es nicht. Jetzt erst einmal ein schönes Nickerchen.
Moment, da war doch was? Dunkel erinnere ich mich. Habe ich nicht kürzlich der Welt lauthals meine Laufziele verkündet? War da nicht auch ein Marathon in unter 4 Stunden dabei? Ich verfluche meine große Klappe. Kann ich nicht einmal etwas für mich behalten? Missmutig und widerwillig schäle ich mich in mein Laufhose, trete freudlos vor die Türe und was passiert?
Richtig, der irische Wettergott blickt just in diesem Moment auf die Erde hinab und sieht mich schmollend in der Einfahrt stehen. Und weil er an der Himmelsbar schon ein paar Bier zu viel gepichelt hat, schickt er mir guinnessfroh und einfach so einen großen Guss Regen. Und eine steife Brise mit dazu. Grandios! Ich bin entzückt.
Da hilft nur eines: den sofortigen Rückzug antreten. Genervt drücke ich die Nase von innen gegen die Scheibe und schaue schaudernd in den Himmel. Der ist so Schwarz wie das nächste Guinness, dass sich der Wettergott soeben bestellt. Prost da oben. Ich will auch eins, aber flott. Damit kann ich den inneren Schweinehund ins Koma saufen.
Wenige Minuten später sehe ich es widerwillig ein: Warten ist sowas von sinnlos! Ich werfe eine Jacke über und trete todesmutig ins Freie. Schließlich bin ich kein Lutscher, der nur bei schönem Wetter läuft. Der Wind peitscht mir den Regen ins Gesicht. Ich ziehe die Ärmel über die Hände und stürze mich ins eisige Nass. Es ist schweinekalt!
Und dann – plötzlich und völlig unverhofft ein Wunder: Die Sonne bricht durch die Wolken mit ihrer ganzen warmen Kraft. Und am Himmel erscheint, groß und bunt und wunderbar: der perfekte Regenbogen. Halleljuha! Ich jubiliere. Die warmen Sonnenstrahlen kitzeln meine Nase, das frische Gras riecht regennass. Die Freude kriecht mir in die Glieder, das Runners High, des Läufers Glück. Ich reiße die Arme in die Höhe: Ich bin frei, ich bin high, und ich flieeeeeege…
….durch die Wolken bis an die Himmelsbar wo ich dem irischen Wettergott kräftig die Ohren langziehe. Alter Suffkopf, warum nicht gleich so?
Und die Moral von der Geschicht? Dem Schweinehund vertraut man nicht!


cooles foto!!!!
Posted by Elisabeth | 03. Jun, 2011, 21:19