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Enthüllungen einer Eisenmann-Frau

Was wären wir Ausdauersportler ohne unsere Freunde und Familien – die Menschen, die für uns in strömendem Regen an der Strecke ausharren, die mit uns unsere Erfolge feiern und uns über Niederlagen hinweg trösten?  Wie ist es eigentlich, auf der anderen Seite zu stehen? Ich habe eine gefragt, die sich es wissen muss: Claudia ist mit Triathlethen Jörn verheiratet und wird auch diesen Sonntag  beim Ironman Frankfurt still und leise im Hintergrund wahre Heldentaten vollbringen. In diesem Interview packt sie aus und erthüllt, wie man einen Eisenmann richtig füttert, was in jede Fantasche gehört und womit frau rechnen muss, wenn sie sich einen “Homo Triathleticus” an Land zieht.

You are an Ironman! Aber nicht ohne Claudia..

Hallo Claudia, du hast also einen verrückten Triathleten mit Ironman-Ambitionen zum Mann. Siehst du ihn überhaupt noch?
Selten. Das Leben eines Triathleten besteht aus arbeiten, trainieren, essen und schlafen. Aber Jörn und ich haben eine gute Regelung gefunden: Jeden Samstag nach Feierabend gehen um 16.00 Uhr bei mir im Atelier die Lichter aus, die Rechner werden herunter gefahren und wir haben Zeit für uns. Zeit, um gemeinsam einkaufen zu gehen, aufzuräumen, gemeinsam zu kochen… Das klappt prima! Während der Woche begleite ich ihn manchmal zu Trainingseinheiten. Nach der Arbeit ist es recht entspannend, im Whirlpool vor sich hin zu blubbern, während die Eisenmänner ihr Trainingspensum absolvieren.

Kannst du Jörns Leidenschaft nachvollziehen? Machst du auch Ausdauersport?
Ich und Ausdauersport? Nein, ich bin eine sportliche Niete. Meine Talente liegen woanders. Trotzdem kann ich Jörns Leidenschaft gut nachvollziehen. Denn der Non-Stopp-Dreikampf hat mich von Anfang an fasziniert. Es ist die Mischung aus Ausdauer, Motivation und innerer Stärke, die diesen Sport so besonders macht. Ich bezeichne mich gerne als „Passiv-Triathletin“, denn ich bin bei so gut wie jedem Wettkampf dabei. Oft bin ich Neoprenanzug-Zumacher, menschliches Schließfach, Zwischenzeitengeber, Wasserträger und Teamfotografin. Natürlich frage ich mich manchmal, wenn Sonntags um 4.00 Uhr der Wecker klingelt, wofür ich das alles mache,…

Und? Revanchiert sich Jörn manchmal?
Ja klar, der Triathlet ist ein liebenswerter Einzelkämpfer mit ganz viel Teamgeist! Für ein bisschen Wettkampfbegleitung meinerseits trägt Jörns gesamtes Team mein Logo mit einer nicht gerade kleinen rosa(!)farbenen Blume auf der Brust, und das ohne Murren und Knurren und völlig umsonst.

Jörn hat die Langdistanz ja erst beim dritten Anlauf beendet. Wie hast du ihm über seine ersten zwei Niederlagen hinweg geholfen?
Da konnte ich ihm nicht wirklich helfen. Jörn hat das mit sich selber ausgemacht. Meine Aufgabe beschränkte sich darauf, ihn das tun zu lassen, was er meinte, tun zu müssen. Auch wenn ich davon nicht immer begeistert war. Aber auch hier ist es dann eigentlich so, wie mit jeder anderen Niederlage: der Mensch wächst mit seinen Aufgaben.

Wie füttert man einen Eisenmann-Anwärter? Gib’s zu, der frisst dir doch bestimmt die Haare vom Kopf?
Oh ja, da geht`ne Menge rein! In den trainingsintensiven Monaten (also 11 Monate im Jahr!) müssen wir unser Haushaltsbudget immer aufstocken. Die Vorratskammer ist ein Pasta-Paradies und neben den unzähligen Pappkartons mit Penne, Fussilli, Spaghetti, Bavette ist noch ein extra Fach für diverse Gels, Energieriegel und eine Jumbodose Maltodextrin.

Das ist alles? Das hört sich doch recht vernünftig an.
Nein! Der Süßigkeiten- und Kekskonsum in unserem Haus ist unglaublich! Jörn wird auch liebevoll „Cookie-Killer“ genannt. Er hat die Gene eines Trüffelschweins geerbt. Kaum habe ich mir eine leckere Packung Kekse gekauft, geht bei Jörn der Keksalarm los. Und schon sind ist sie wieder weg – egal wie gut ich sie verstecke. Solange das nur zu Hause passiert, kann ich damit leben. Aber mittlerweile verschwindet auch bei ihm im Büro alles, was süß und nicht versteckt ist. Sein Kollege lädt ihn deswegen jetzt mittags regelmäßig in einen nahegelegenen Pasta-Tempel ein. Neulich waren wir beim Brunch und da fragte der Kellner ob er die Schüssel mit der Nachspeise nicht lieber direkt zu Jörn auf den Tisch stellen soll. Peinlich…

Was würdest du anderen Ausdauer-Angehörigen raten?
Die Welt des Triathleten verstehen lernen. Denn der „Homo-Triathleticus“ ist ein seltsamer Zeitgenosse. Er trainiert viel, macht aber nur wenige Wettkämpfe und stellt seine Mitmenschen zuweilen auf harte Geduldsproben. So sollte zum Beispiel seine Partnerin akzeptieren, dass er Sonntags sehr früh aufsteht, um sechs Stunden auf dem Rad zu sitzen und anschließend noch einen „10er“ zum lockeren Auslaufen hinten dranhängt. Und ebenfalls aufgeschlossen sollte sie der Tatsache gegenüberstehen, dass in einem Triathlonhaushalt zehn Sätze Laufräder, sechs Kompletträder, 30 Paar Laufschuhe und vier Neoprenanzüge eine Daseinsberechtigung haben. Seine Räder schlafen mitunter ebenfalls im Schlafzimmer und haben Namen wie “Prinzessin” oder “Sexy Lady”.

Jetzt wird’s interessant! Erzähl’ mal was macht den „Homo-Triathleticus” sonst noch aus?
In Gesellschaft von Gleichgesinnten ist er äußerst redselig und führt gerne tiefgreifende Gespräche über Schwimmzeiten, Radsplitts oder Ausscheidungsrennen. Mag da kommen, was (oder wer) will! Wie neulich auf der Hochzeitsfeier eines Vereinskameraden: Nach dem Essen vesammelten sich die Triathleten um einen Stehtisch. Ein weiterer Gast, ein Fußballer, lief hilflos um sie herum und versuchte, in den „Inner Circle“ vorzudringen. Was soll ich sagen: er hatte keine Chance. Tja, so ist das eben; Triathlon ist nicht nur Hobby, Triathlon ist eine Lebenseinstellung! Und wenn man das verstanden hat,  ist alles gut.

Wie wirst du Jörn während des Ironmans unterstützen?
Ich bin den ganzen Tag an der Strecke und der Rest wird noch nicht verraten…

Wie bereitest du dich vor?
Ganz einfach: Plakate basteln, Tasche packen, Schlachtplan ausarbeiten, Wettervorhersage checken, Teambekleidung anziehen und los geht’s!

Was gehört in jede Fan-Tasche?

  1. Regenjacke oder Schirm, Sonnenmilch, Hut oder Mütze
  2. Eine Kamera – um unvergessliche Momente festzuhalten
  3. Lippenfettstift (der kann auch prima als Vaselineersatz genutzt werden)
  4. Taschen- und Desinfektionstücher
  5. Blasenpflaster – für die eigenen und die geschundenen Athletenfüße
  6. Ein Handy – um mit den mitgereisten Fans in Kontakt zu bleiben und um von den Daheimgeblieben Zwischenzeiten zu empfangen
  7. Etwas zu Essen und ausreichend Getränke – es gibt nicht immer eine Kuchentheke oder Würstchenbude an der Strecke
  8. Ausreichend Bargeld – denn der hungrige Dreikämpfer möchte nach dem Wettkampf bestimmt noch beim großen M einkehren oder den Snackshop einer Tankstelle plündern

Wie ist deine Prognose – schafft er das?
Schaffen wird er es ganz sicher, da gibt es keinen Zweifel! Aber selbst mit dem besten Training ist der Ironman nicht komplett planbar. Er ist und bleibt es der längste Tag des Triathlonjahres. Es können immer Situationen auftreten, die die Athleten zwingen, anders zu handeln, als sie es im Training geübt haben: ein Wadenkrampf beim Schwimmen oder eine Radpanne. Wenn der Körper dann beim abschließenden Marathon lieber in einen komatösen Schlaf fallen möchte, als ins Ziel zu laufen, ist das auch nicht gerade gut. Also frag mich nach meiner Prognose doch noch einmal bei Laufkilometer 23. Wenn ich Jörn dann kurz in die Augen geschaut habe, kann ich dir genaueres sagen. Was ich aber jetzt schon weiß: es wird wieder einmal Gänsehaut-Feeling pur sein, wenn er in den Zielkanal einbiegt, von den Massen gefeiert wird und durch die Lautsprecher am Frankfurter Römer die legendären Worte schallen:

„You are an Ironman!“


TIPP: Claudia entwirft  tolle Mode für Kinder und Erwachsene, die es gerne bunt mögen.  Schaut doch einfach mal bei ihr vorbei.

Discussion

One Response to “Enthüllungen einer Eisenmann-Frau”

  1. Huch, da bekomme ich Gänsehaut.

    Posted by Ponymutter | 28. Jul, 2011, 11:46

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