Alle Artikel

Littlewhitepony goes Ironman

Daumen hoch für alle Eisenmänner! Ihr seid die wahren Helden.

Neulich in Deutschland. Am Küchentisch sitzen: Daliah, Starfotografin mit der Lizenz zum Shooten, erfolgreich aber sportresistent und ich, Littlewhitepony, Hobbyläuferin mit der Lizenz zum Losen, sportbegeistert aber erfolglos – und das nicht nur beim Laufen. Vor uns: vier Kilogramm Schokoladenkuchen, fünf Liter Milchkaffee. Unsere Mission: die sofortige Vernichtung aller vorhandenen Zucker- und Koffeinquellen mit möglichst geringem Energieaufwand. Das Thema Sport ist heute Tabu. Daliahs Wohnzimmer ist meine trainingsfreie Zone – mein Schutzbunker, mein ‘Safe Room’. Hier lebt und gedeiht mein Schweinehund, hier habe ich Pause. Garantiert. Im sportlichen Vakuum dieses Hauses verstauben sämtliche Turnschuhe, Funktionsfaser ist ausschließlich zum Putzen da, und ins Schwitzen kommt nur eine: Die Kaffeemaschine. Kurzum: Daliah’s Wohnzimmer ist Schweinehund-Heaven.

Zwischen Kuchenstück Nummer 3 und Nummer 4 trifft mich folgende Frage daher hart und völlig unvorbereitet:

„Was hältst du eigentlich vom Ironman?“

Ich verschlucke mich so sehr, dass mir der Milchkaffee zur Nase wieder herauskommt. Et tu, Daliah?

„Mein Freund Jörn will, dass ich ihn in Frankfurt fotografiere.”

Gott sei Dank, wir sprechen über Passiv-Sport. Erleichtert schiebe ich mir eine extra große Gabel Kuchen zwischen die Kiefer.

“Willst du nicht mitkommen und darüber schreiben?“

„Hmpf“, antworte ich, weil meine Zähne gerade mit Schokoglasur überzogen sind. Während ich kaue und nachdenke, läuft vor meinem inneren Auge folgender Film ab: Daliah und ich in einem Caprio. Die Sonne scheint. Leicht bekleidet und Sonnen-bebrillt gleiten wir dahin, der Wind weht durch unser Haar. Wir sind frei, wir sind glücklich. Es ist Sommer. Neben uns Jörn auf dem Fahrrad – nicht ganz so lässig, nicht ganz so leicht. Aber ok, er hat ja schon 160 Kilometer hinter sich. Aus dem Auto werfen wir ihm Gummibärchen in den Mund, drehen die Musik auf volle Lautstärke: „Summerfeeling, it’s never been so easy“.

„Allerdings können wir wohl nicht mit dem Auto neben herfahren,“ unterbricht Daliah meine Gedanken.

Ach, verdammt! „Und wie genau sollen wir uns dann fortbewegen?”

Daliah lacht. “Sag bloß, DU hast Schiss?”

Natürlich habe ich KEINEN Schiss. Ein bisschen Respekt. Höchstens. Immerhin sprechen wir von knappen 226 Kilometern.

“Also gut, ich bin dabei,” knurre ich. Denn natürlich kann ich mir das nicht entgehen lassen. Der Ironman, das ist DIE Königsdistanz der Triathleten. Hier werden echte Helden gemacht. Wir Marathonläufer sind allesamt Waschlappen dagegen.

Einmal dabei sein, wenn sich die motivierte Meute am frühen Morgen ins Kühle Nass stürzt. Hautnah erleben, wenn die stillen Helden auf dem Fahrrad schlappe 180 Kilometer runter reißen, um sich dann über die Marathondistanz locker auszulaufen. Mitfiebern, Anfeuern, Mitleiden. Und dann am Ende am Römer stehen, wenn sie erschöpft, aber glücklich, über die Ziellinie laufen. Mitjubeln! -  Wer will das nicht? Dafür gebe ich sie gerne auf: die wohlige Wärme meines ‘Safe-Rooms’.

Schweinehund-Heaven, Ade! – Ironman, here I come!

Seid ihr dabei?

Discussion

One Response to “Littlewhitepony goes Ironman”

Post a comment

Schlagwörter