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Welcome to Planet Ironman

Aber hallo!

Der Tag vor dem Ironman Frankfurt 2011. Fahrrad Check-In am Langender Waldsee. Der würzige Duft von Wärmecreme vermischt sich mit deftigem Bratwurstaroma. In der Menge stehe ich, Littlewhitepony, Läuferlusche, hilflos, überfordert und ahnungslos. Meine Mission? Als rasendes Reporterpony in Erfahrung zu bringen, was alle schon immer wissen wollten, aber keiner zu fragen wagte. Leider fühle ich mich gar nicht rasend, höchstens rasend uncool.

Mein Gefährt ist kein Hightech Carbonfahrrad sondern ein No-Name Tretroller für die Alterskategorie 6-10 Jahre. Gesamtwert 90 Euro. Jemals von mir an einem Stück zurückgelegte Kilometer? Zweiundvierzig – Schnarch! Meine Kindersonnenbrille mit Glitzerschmetterling packe ich gar nicht erst aus. Ich fühle mich wie E.T. nach seiner Landung auf der Erde. Welcome to Planet Ironman!

Aber: ich bin hier, ich habe eine Mission und ich stelle knallharte Fragen. Das Ergebnis meiner Recherche möchte ich euch heute vorstellen: den durchschnittlichen Bewohner des Planet Ironman – das Modell Jedermann Typ IM AK40 – 2011.

Die Geburt des IM AK40-2011 oder ‘Wie es soweit kommen konnte
Der IM AK40-2011 weiß selbst nicht, wie es so weit kommen konnte. Eigentlich wollte er nur ein bisschen fitter werden. Joggen war ihm zu langweilig und das Geheule seiner ehrgeizlosen Fußballkumpels ging ihm auf Dauer auf den Zünder. Seinen ersten Triathlon bestritt er ohne Neoprenanzug. Schwimmen konnte er nicht. Die verzweifelten Rufe der Sanitäter aus dem Rettungsboot ignorierte er jedoch hartnäckig, hielt den Kopf über Wasser und schleppte sich schließlich mit letzter Kraft lebend ans Ufer. Natürlich erst, nachdem er die Körperfarbe von Papa Schlumpf angenommen und mehrere Liter verseuchtes Flusswasser gesoffen hatte. Die Radstrecke bewältigte er mit dem Einkaufsfahrrad seiner Gattin, die ihm netterweise noch ein Stück Sachertorte in den Fahrradkorb gepackt hatte. Das Laufen klappte hervorragend – wenn man mal von dem kleinen Zwischenfall mit der Schokoladenglasur absieht. Die wollte nämlich unbedingt wieder nach draußen, was der Hintermann überhaupt nicht lustig fand. Als vorletzter überquerte unser zukünftiger Eisenmann schließlich die Ziellinie. Benebelt vom Erfolg und high vom Adrenalin jubelte er „Und jetzt auf zum Ironman!“ - der IM AK40-2011 war geboren.

Der IM AK40-2011 – Wieso er so unverschämt gut aussieht
Nach seinem Trauma bei Triathlon Nummer Eins schwor sich der IM AK40-2011, nie wieder so Scheiße auszusehen. Er kaufte sich vom Urlaubsbudget der Familie mehrere Neoprenanzüge, zwei Hightech Triathlonräder mit allem Pipapo, feinste Funktionsfaser, Laufschuhe, Trinkflaschen und buchte das örtliche Hallenbad samt Trainerriege bis 2020. Die Kinder sind seitdem dauerhaft beleidigt, weil sie in den Ferien statt nach Florida nur noch ins Allgäu dürfen. Die Ehefrau hingegen frohlockt: der Gatte hat jetzt ein muskulöses Schwimmerkreuz, einen knackigen Radlerpo und sexy Läuferwaden, welche er sich seit kurzem auch rasiert. Er ist braungebrannt, trägt nur noch Markensonnenbrillen und sieht auf seiner teuren Rennmaschine dermaßen scharf aus, dass sämtliche Nachbarinnen neidvoll sabbernd durch den Küchenvorhang schielen. Beim Fahrrad Check-In in Frankfurt fährt der IM AK40-2011 sämtliches Hightech Equipment auf, das er besitzt und wirft sich lässig in Pose. Er sieht gut aus und weiß es auch. Heute will er gesehen werden, bevor ihn morgen der Mann mit dem Hammer niederstreckt und aller Glanz verschwindet.

Wie sich der IM AK40-2011 vom gemeinen Läufer unterscheidet.
Wir Läufer kennen das so: jeder pinkelt während des Wettkampf überall hin und entsorgt seinen Müll, wo er es gerade für richtig hält. Nicht so der IM AK40-2011. Er ist nicht nur das coolere Wesen, nein, er ist zudem gepflegt und zivilisiert:

  1. Pinkeln in Vorgärten und Müllentsorgung am Streckenrand sind strengstens verboten. Deshalb ist der IM AK40-2011 bei den hessischen Anwohnern immer gerne gesehen. Nicht so der gemeine Läufer: der sorgt in regelmäßigen Abständen dafür, dass die Ernte sämtlicher Vorgarten-Radieschen ausfällt.
  2. Der IM AK40-2011 ist überaus fair. Damit alle unter gleichen Bedingungen leiden, dürfen ihm seine Freunde Energiegels, Cola und Schnittchen nur an ausgewiesenen Verpflegungsstellen anreichen. Den gemeinen Läufer interessiert Fairness hingegen nicht die Bohne. Er mobilisiert die gesamte Verwandtschaft inklusive aller Cousinen vierten Grades, sämtliche Freunde und Kollegen aus seinem Email Adressbuch und sorgt somit für Rundum Versorgung an der Laufstrecke. Wer keine Freunde hat, hat eben Pech gehabt. Heul’ doch.
  3. Beim Radfahren ist Windschattenfahren verboten. Dies dient unter anderem dem eigenen Schutz des IM AK40-2011. Wer zu nah am Vordermann klebt, riskiert  eine feuchte Brise von vorne – was auch erklärt, warum der IM AK40-2011 grundsätzlich mit Sonnenbrille radelt. Dabei wissen wir doch alle: Harnstoff ist gut für die Haut. Der gemeine Läufer hingegen, läuft bevorzugt im Windschatten des Vordermanns. Die feuchte Brise muss er nicht fürchten – er hat ja gerade noch mit dem Kollegen gemeinsam auf Oma Ernas Radieschen gepinkelt.

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