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Wenn Ponys (oben) schwimmen…

 „Sport wird völlig überbewertet. Es lebe die Faulheit“ verkünde ich und lasse mich gepflegt mit heißem Whiskey volllaufen. Und damit sich das braune Gold in meinem Magen nicht so einsam fühlt, verdrücke ich mehrere Stücke Marmorkuchen. Mit Vanilleeis, versteht sich. Scheiß auf die schlanke Linie. Menschen werden schließlich nicht nach ihrer Figur bewertet.

Mann nehme Joschka Fischer. In den Geschichtsbüchern wird einst stehen: ‘Joseph Martin Fischer war ein deutscher Politiker und von1998 bis 2005 Bundesaußenminister der Bundesrepublik Deutschland’ – und nicht: ‘Joschka Fischer, deutscher Politiker, 1998 gertenschlank – 2005 knödeldick’.

 „Du bist doch nur gefrustet, weil du nicht trainieren kannst. From there blows nämlich the wind.“ die Stimme meines Göttergatten dringt unbarmherzig an mein Ohr wie das Summen einer Stechmücke.

 ”Your Englisch knocks me out of my socks, cheri, but you have unright!“ schieße ich zurück.

Selbstverständlich hat meine neue Lebensphilosophie nichts damit zu tun, dass seit dem München Marathon mein rechtes Bein im Koma liegt. Laufen Ausgeschlossen – aber das lässt mich völlig kalt. Im Gegenteil, was gibt es Schöneres, als die langen, dunklen Abende daheim zu verbringen? Den Kaminsims abzustauben? Die Wäsche zu bügeln?

„I have never unright, Hase,“ kontert mein Liebster und wedelt wild mit einem schwarzen Etwas. Ich blinzele und erkenne: es ist mein Badeanzug. Long time no see.

„Ab jetzt gehst du Schwimmen. Oder kannst du das etwa nicht?“

 ”Unverschämtheit! Ich sage nur zwei Worte, mein Schatz: GOLD-SCHWIMMABZEICHEN.“ bemerke ich trocken.

Ja, das waren noch Zeiten. Als ich in Kinderjahren wie ein Fisch durchs Wasser glitt. Jahrelang an meiner Schwimmtechnik feilte. Meine Schwimmabzeichen mit stolzgeschwellter Brust auf meinen Badeanzug aufgenäht trug. Nie werde ich ihn vergessen: den Moment des Triumphs, wenn ein weiteres hinzukam. Das Gefühl der Überlegenheit, wenn ich im Schwimmbad locker an den Luschen aus der Seepferdchengruppe vorbeizog. Oder vom Schwimmbeckenrand ungefragt Tipps in die japsende Anfängerrunde bellte. Ach, war das schön. Und ja, ich wurde gehasst. Aber so ist das eben: It’s always lonely at the top.

„Ja, das hätte was werden können. Wenn ich bloß nicht aufgehört hätte!“ sinniere ich und greife gedankenverloren nach dem Schwimmanzug.

Aber wer sagt denn, dass es schon zu spät ist? In Kindertagen gelernt, niemals vergessen – heißt es doch. Ich gieße den Whiskey in den Abfluss und schiebe Marmorkuchenstück Nummer vier zur Seite. Tschakka! Ab jetzt wird zurückgeschossen – und zwar vom Schwimmbecken aus. Ich sehe ihn schon vor mir, den Eintrag in den Geschichtsbüchern: Littlewhitepony war die erste deutsche Schwimmerin, die mit Ende dreissig olympisches Gold holte.

Ich wollte schon immer nach Brasilien. Rio 2016 – here I come!

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2 Responses to “Wenn Ponys (oben) schwimmen…”

  1. Ich wünschte ich könnte auch auf eine stolze Schwimmbestzeit in meiner Jugend zurückblicken. Bin ja mehr der Typ “Eher tief als weit”. Ich erinnere mich an den Sommer im Schwimmbad. Ich 13. Mein Onkel meinte: “Hast du eigentlich das Seepferdchen?” Klar, er war bei der DLRG und ich war froh wenn ich im Wasser stehen konnte. “Nö”, war meine Antwort. Ich wurde rot, er schleifte mich zum Bademeister. Der meinte dann, dass das Abzeichen eher Kleinkinder machen. Dabei beließen wir es dann auch. Ohne Abzeichen und ohne große Lust auf’s Schwimmen vergingen 20 Jahre. Vor Kurzem wollte ich es mal wieder versuchen. Demütigend zu merken, wie meine Freundin jede zweite Bahn an mir vorbeizog. Ich bin halt eher der Läufer oder maximal ein Duathlet. Triathlon ist was für Seepferdchen-Abzeichenträger…

    Posted by Markus | 14. Nov, 2011, 08:50

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