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Besuch im Olymp

Die wollen nicht mehr!

Das Superpony will mal wieder mit dem Kopf durch die Wand. Völlig übermütig prescht es los, als hätte es die dreimonatige Trainingspause nie gegeben.

Blöd bloss, dass meine Ponybeine das so gar nicht gut finden. Die haben es sich sehr gemütlich im Reich der Faulheit eingerichtet und sind einhellig der Meinung: Sport wird völlig überbewertet. Kurzum – sie wollen lieber hochgelegt werden.

Besonders mein rechter Treter hat die Schnauze voll. Schmollend tritt er in den Streik. Einfach so. Muskel zu. Aus die Maus. Er lässt sich bewegen – aber laufen will er nicht.

Meine Motivation verwandelt sich augenblicklich in selbstzerstörerisches Selbstmitleid. Womit habe ich das verdient? Und wo bekomme ich jetzt, verdammt noch mal, meine Endorphine her? Da hilft nur eines: Schokoladenkuchen XXL – mit Schlagsahne und Vanilleeis. Rutscht besonders gut, wenn frau mit Baileys nachspült.

„Mir ist sooo schlecht…“ jammere ich.

Mein Göttergatte rollt mit den Augen.

„Geh endlich zum Arzt!“ befiehlt er. Also gehe ich.

Ein Lächeln, das alle Gletscher zum Schmelzen bringt.

Ups, hab' ich das echt gesagt?

“Der nächste!” reißt mich eine tiefe Stimme aus den Gedanken.

Ich hebe den Kopf und blicke in das Antlitz eines Wesens so schön und perfekt, dass es  aus den heiligen Hallen des Olympes hinabgestiegen sein muss. Breite Schultern. Schmale Hüften. Apfelpo – und ein Lächeln, dass alle Gletscher zum Schmelzen bringt.

“Darf ich meine Hose ausziehen?”

Entsetzt nehme ich beide Hände vor den Mund. Habe ich das eben etwa laut gesagt? Ich blinzele und versuche verzweifelt, etwas Blut zurück in mein unterversorgtes Hirn zu pressen.

„Ich bin Todd, wo drückt der Schuh?“ sagt mein griechischer Gott.

„Oh Todd, du bist so hot…“ denke ich. Und weiß in diesem Moment mit absoluter Gewissheit: der Laufgott hat mich nicht verlassen. Nein, meine Verletzungsmisere der letzten Monate, mein Leiden, meine Schmach – all das war nicht umsonst. Es war Teil eines göttlichen Masterplans. Das alles musste so geschehen, damit ich hier, heute, an diesem Ort vor dem heißen Todd meine Hose herunterlassen darf. Halleluja!

Und dann bekomme ich ein paar übergroße Shorts. Verdammt.

Auf der Liege werde ich völlig willenlos.

Todd surft. Todd macht Kung Fu. Aber am allerwichtigsten: Todd läuft. Nie habe ich die Praxisgebühr lieber bezahlt. Nie war ein Arztbesuch schöner. Ich watschele wie eine Ente quer durch Todds Büro. Mache Kniebeugen. Laufe einen imaginären Catwalk auf und ab. Wir vergleichen Laufschuhe – und Trainingsstrecken. Auf der Liege dann werde ich völlig willenlos. Hot Todd biegt meine Beine in alle Himmelsrichtungen und diagnostiziert:

„Dein rechtes Bein ist muskulär eindeutig unterentwickelt – ansonsten alles paletti.“

Dann bekomme ich Hausaufgaben.

„Wir sehen uns nächste Woche!“ sagt Hot Todd zum Abschied.

„You bet!“ denke ich, steige hinab vom Olymp und trete nach draußen auf die Straße. So ein Ausflug ins Himmelreich macht ganz schön hungrig. Da bin ich doch froh, dass zuhause mein Göttergatte gerade ein äußerst irdischen Abendessen zubereitet.

Honey, bitte warte auf mich. Ich komme.

 

Discussion

2 Responses to “Besuch im Olymp”

  1. Na, na, na…. (Kann man diesen hotten Typ irgendwo sehen? ;-)

    Posted by Daliah | 07. Feb, 2012, 09:32
  2. wenn du das naechste mal kommst, mache ich dir einen Termin.

    Posted by Littlewhitepony | 07. Feb, 2012, 10:03

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